06.03.2019

Klare Regeln für den Wolf gefordert

Beschäftigen sich mit dem Thema der Bestandsregulierung verschiedener Spezies: (von links) Hans Knoop, Jan-Peter Dalle und Oliver Keuling. (Foto: David Borghoff)

Wann wird Isegrim zum "Problem", bei dem man eingreifen muss? Jäger kritisieren unsichere Gesetzeslage 

BERGEN. Während in Celle die behördlich angeordnete „Entnahme“ von „Problem-Maulwürfen“ für Aufsehen sorgt, beschäftigten sich die Jäger des Landkreises bei ihrer Hauptversammlung am Samstag im Berger Stadthaus mit einem Prädatoren ganz anderen Kalibers: Immer wieder ging es um den Wolf. So forderte zum Beispiel Landrat Klaus Wiswe (CDU), dass klare Regeln für den Abschuss von Wölfen hermüssten.

Beim Thema Wolf komme die Politik leider nur im Schneckentempo voran, kritisierte Wiswe. Es gehe nicht darum, den Räuber erneut auszurotten, sondern darum, ihm zum Beispiel dort, wo er in menschliche Siedlungen eindringe oder sich auf das Reißen von Nutztieren spezialisiere, deutlich Grenzen aufzuzeigen. Wichtig sei, dass der Wolf seine Scheu vor dem Menschen behalte – oder erst entwickle, so der Landrat: „Dafür müssen auch Wölfe geschossen werden.“

Kreisjägermeister Hans Knoop sagte, dass der Bestand der Wolfspopulation längst so hoch sei, dass er reguliert werden müsse: „Heute sind wir wieder so weit, dass wir den Wolf akzeptieren; aber die große Frage bleibt, in welcher Dichte.“ Knoop verwies auf Untersuchungen, denen zufolge ein einziges Wolfsrudel pro Jahr rund 1000 Stück Schalenwild reiße: „Sie wissen alle, wie viele Rudel bei uns in der Region aktiv sind – dann können sie auch abschätzen, was am Ende dabei herauskommt.“ Ein weiterer Punkt sei, dass „die Lebensqualität auf dem Lande von der Stadtbevölkerung gesteuert“ werde: „Wie kann es weitergehen? Die Politik in Berlin und Hannover muss handeln.“

Rotwild dürfe in Deutschland nur dort leben, wo der Mensch es zulasse – in Bayern zum Beispiel nur auf zehn Prozent der Landesfläche – der Wolf aber überall, sagte Knoop, der für klare Regeln für den Abschuss von Wölfen plädierte: „Im ersten Schritt sollte man die Truppenübungsplätze und große zusammenhängende Waldgebiete von der Entnahme ausklammern.“ Wenn man diesen Weg in der „Anfangsphase“ beschreite, sei Knoop davon überzeugt, „dass wir wieder mehr Ruhe bei den Landnutzern und der ländlichen Bevölkerung bekommen.“

Für Stirnrunzeln bei Knoop sorgte die städtische Celler Maulwurfs-Jagd: „Wenn man dann mal betrachtet, wie die Stadt Celle mit einem Tier umgeht, das streng geschützt ist, aber nur mal ein paar Erdhaufen aufwühlt – wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?“

„Ist die Politik jetzt so weit, dass der Schritt vom Wolfsmonitoring zum Wolfsmanagement vollzogen wurde, und reguliert den Bestand?“, fragte Jägerschafts-Vorsitzender Jan-Peter Dralle und wies auf viele weitere offene Fragen hin: „Problemwölfe können aufgrund der vorhandenen Gesetzeslage entnommen werden – aber was ist denn ein Problemwolf? Schäden an Nutztieren, keine Scheu vor Menschen, ständig in Siedlungsnähe? Sind zu viel Wölfe nicht auch Problemwölfe?“

Dralle betonte, dass allein die ständige Konfrontation zwischen Wolfsgegnern und -freunden zu nichts führe: „Wir brauchen auf Grundlage des Monitorings einen Managementplan statt die ständige Diskussion, ob der Wolf ins Jagdrecht gehört oder nicht. Und da sind wir alle gefordert, wir müssen Daten liefern, Probleme aufzeigen und im konstruktiven Gespräch bleiben. Den Schutzstatus des Wolfes auf Grundlage des Monitorings zu ändern, ist der erste, der große Schritt ins dringend nötige Wolfsmanagement.“

Jede Menge Tipps zum „Management“ des ständig wachsenden Wildschwein-Bestandes hatte der Wildbiologe Oliver Keuling für die Waidleute parat. Der Schwarzwild-Experte erklärte, warum es so schwer sei, den Sauenbestand effektiv zu regulieren. Die Tiere seien extrem intelligent und anpassungsfähig: „Die können alles außer schreiben – und das auch nur, weil sie keinen Daumen haben.“ Schwarzwild lasse sich kaum „verjagen“, denn es sei „sauschlau“.

 

Die Materialien der Präsentation können hier als >>> PDF heruntergeladen werden

Mitglieder ausgezeichnet

Im Rahmen ihrer Jahreshauptversammlung hat die Jägerschaft Celle langjährige und verdiente Mitglieder ausgezeichnet. Für 65-jährige Mitgliedschaft wurde Kurt Menzel ausgezeichnet, für 60 Jahre: Jobst Barckhausen, Hans-Heinrich Bodenstedt, Martin Friedrich, Wilfried Garbers und Hans von Harling. Für 50 Jahre wurden ausgezeiochnet: Frederik-Wilhelm von Bothmer, Hans-Joachim Czerny, Peter Göhl, Rainer Heuer, Hans-Hermann Lehmann, Willi Marquardt, Otto Meldau, Cord Müller, Hans-Hermann Placke und Rudolph Schuh.

Für 50 Jahre Tätigkeit als Bläser wurde Albert-Peter Brehme geehrt, für 40 Jahre Gabriele Thies.

Auf Vorschlag des Hegering Bergen wurden Hans-Heinrich Petersen  und Claus Dammann ausgezeichnet. „Beide haben sich durch ständiges Engagement als besonders tatkräftige Naturschützer und Nachwuchsförderer im Hegering Bergen hohe Anerkennung erworben“, so Jägerschafts-Vorsitzender Jan-Peter Dralle: „Seit über 15 Jahren sind sie immer zur Stelle, wenn es um Arbeitseinsätze im Waldklassenzimmer oder auch im Waldlehrpfad geht, wie etwa kleinere Reparaturen erledigen oder einfach nur Müll wegräumen. Des weiteren brachten sie unzähligen Schul- und Kindergartenkindern im Waldklassenzimmer die Natur und die Jagd näher. Sie haben sich damit im besonderem Maße verdient gemacht.“ Dammann erhielt die LJN-Verdienstnadel in Bronze und Petersen die DJV-Verdienstnadel in Bronze.

Das DJV-Verdienstabzeichen in Silber ging an Kreisjägermeister Hans Knoop. „Er ist seit 2006 Kreisjägermeister des Landkreises Celle, davor war er bereits 15 Jahre stellvertretender Kreisjägermeister. Seinem drei Jahrzehnte langem Engagement im Vorstand der Jägerschaft bei der Lösung vieler Aufgaben und Probleme, auch beim Bau und Betrieb des Schießparks Celler Land, gebührt schon allein diese Anerkennung“, erläuterte Dralle.

Im Ordnungsamt des Landkreises Celle sei Knoops hohe Fachkompetenz beim Prüfen von Abschussplänen und in der Aufsicht der Jagdgenossenschaften und der Jagdbezirke geschätzt: „Bei der Aufarbeitung unangenehmer Themen und bei Rechtsverstößen wird seine ruhige, sachliche Art geliebt und seine Beharrlichkeit  gefürchtet.“ Als beratendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt und ländlichen Raum des Landkreises berichte Knoop zur Jagd und stelle sich den “manchmal auch unsachlichen und provokanten“ Fragen.