04.03.2018

Celles Kreisjägermeister: "Der Wolf darf keine heilige Kuh sein"

Hoher Besuch bei Celles Jägern: (von links) Hans Knoop, CDU-Landtagsabgeordneter Jörn Schepelmann, Klaus Wiswe, Barbara Otte-Kinast, CDU-Bundestagsabgeordneter Henning Otte und Jan-Peter Dralle.
Zum Teil mächtige Hirschgeweihe zeugten im Berger Stadthaus von der hohen Qualität
des Rotwildbestandes im Celler Land.

Schrumpfende Wildbestände, der Wolf in allen Revieren und die Afrikanische Schweinepest (ASP) ante portas: Bei der Jahreshauptversammlung der Celler Kreisjägerschaft im vollbesetzten Berger Stadthaus gab es genügend Themen, auf deren Diskussion die Waidmänner gerne verzichtet hätten. Doch das war nötig.

Da tat es gut, dass sie einen politischen Gast begrüßen konnten, von dem sich nicht befürchten müssen, dass er ihnen Steine in den Weg legt, sondern der frischen Rückenwind für die Jäger versprach: Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) machte deutlich, dass sie versteht, warum das Naturschutz-Engagement der Jäger unersetzbar ist. Und dass man den Wolf nicht zum ungekrönten Herrscher über die komplette Kulturlandschaft hochstilisieren sollte.

Damwild in Gefahr: Otte-Kinast sagte, das der Wolf ein "schwieriges Thema" sei, um das sich der Bundesgesetzgeber kümmern müsse. Der Bund müsse regeln, wie der sich rasch ausbreitende Wolfsbestand geregelt werden solle. Geschehe das nicht, wären die Folgen fatal – zumindest für die Beute des grauen Räubers: "Wir wollen nicht, dass Muffelwild und Damwild und Rehe demnächst ausgerottet werden."

Celles Landrat Klaus Wiswe (CDU) sagte, es bereite ihm "erhebliche Sorgen", wenn er neben den bereits üblichen Berichten von gerissenen Weidetieren höre, wie Wölfe durch Ortschaften streiften und sich auch bedrohlich Kindern näherten. Vom Land erwarte Wiswe ein besseres Management der sich stetig ausbreitenden Population der Raubtiere: "Es muss schneller möglich sein, Problemwölfe zu entnehmen." Es sei auch ein Unding, dass man bei Verkehrsunfällen tödlich verletzte Wölfe aus angeblichen Tierschutzgründen nicht wie andere Tiere auch von ihren Qualen erlösen dürfe.

"Das Damwild wird bei uns eine aussterbende Tierart sein, da sich der Wolf und Damwildbestände nicht vertragen", sagte Kreisjägermeister Hans Knoop, der das Minus beim Rehwild ebenfalls mit Isegrims Appetit in Zusammenhang brachte: "Auch da bemerkt man den Wolf – Rehe sind seine Lieblingsbeute." Knoops Eindruck sei, dass auch der Rotwildbestand rückläufig sei: "Dies ist seit langem unser erklärtes Ziel, dem wir jetzt in großen Schritten näher kommen, sicherlich auch mit Hilfe des Wolfes." Trotz dieser unerbetenen "Hilfe" durch das Raubtier dürfe dessen Bejagung auf Dauer kein Tabu bleiben: "Der Wolf darf keine heilige Kuh sein."

Jagdstatistik

Sorgen ernst nehmen: Jägerschafts-Vorsitzender Jan-Peter Dralle erinnerte daran, dass der Mensch in der Evolution unter anderem deswegen an die Spitze der Nahrungspyramide gelangt sei, weil er sich nicht nur pflanzlich, sondern auch tierisch ernährt habe: "Deshalb konnte sich das Gehirn über die Jahrtausende so gut entwickeln. Wenn ich heute manche Leserbriefe verfolge, dann frage ich mich oft: Wie schnell kann sich so ein Gehirn wieder zurück entwickeln?" Dralle riet dazu, die Ängste von Menschen in den Dörfern ernst zu nehmen: "Dürfen sich Eltern keine Sorgen machen, wenn ein Wolf in Kindergartennähe gesehen wird? Und ja: Hunde und Wildschweine sind manchmal auch sehr gefährlich, und das Risiko für Kontakte ist viel größer, allein weil es viel mehr Wildschweine als Wölfe gibt - aber den gefährlichen Sauen darf und muss man auch mit der Waffe begegnen." Das biete sich auch bei auffälligen Wölfen an.

Trübe Aussichten hinsichtlich der ASP präsentierte Jens Bülthuis, Mitglied der ASP-Sachverständigengruppe des Landes. Die Frage sei nicht, ob die ASP auch hier ausbrechen würde, sondern lediglich, wann dies der Fall sei, so Bülthuis. Erfahrungen auf Osteuropa hätten gezeigt, dass ASP nicht wie ein kurzes Buschfeuer über das Land und durch Wild- und Hausschweinpopulationen ziehe und dann wieder verschwinde. Es sei kein Impfstoff in Aussicht und sogar Tiere, die einmal die ASP überlebt hätten, könnten sich erneut infizieren und dann sterben: "Die Seuche läuft sich nicht tot - sie bleibt." Sollte ASP Niedersachsen erreichen, würden die Folgen immens sein: "Die volkswirtschaftlichen Schäden werden auf 4 bis 22 Milliarden Euro geschätzt."

(Bericht: Cellesche Zeitung vom 5.03. / Bilder: David Borghoff)